(A)soziale Medien(Branche)
Eine der größten Gefahren, die ein ausgiebiger Social Media Konsum mit sich bringt, ist, meiner Meinung nach, der Verlust der sozialen Kompetenz. Auch wenn der Name „soziale Medien“ impliziert, dass wir hier ein soziales Miteinander erleben, so sind Plattformen wie Instagram, TikTok, X und wie sie alle heißen, viel mehr durch Konkurrenz, unhöflichen Kommentaren und vorgegaukelter Nähe geprägt. Viele Influencer geben sich Mühe, eine liebevolle Community zu erschaffen, die Halt geben soll, da man sich mit ihnen und ihrem Alltag identifizieren kann und sie für viele als Sprachrohr des eigens empfundenen Leids dienen. Dennoch geht es am Ende um Likes, Clicks, Shares und Aufmerksamkeit, zumal Social Media Agenturen und Kooperationspartner vorrangig die zu monetarisierende Reichweite und Beliebtheit im Blick haben. Follower sind somit nicht viel mehr als eine Währung und nur wenige Influencer bespaßen und belehren ihre digitalen Schützlinge gratis.
Warum auch? Schließlich ist das Ganze für viele von ihnen ein Fulltime-Job, denn wer sichtbar bleiben will, muss Welle machen. Ich erinnere mich an Stories von reichweitenstarken Accounts wie „wastarasagt“, die darauf hinwiesen, dass ihre Bildschirmzeit bei mehr oder weniger 10 Stunden täglich liegt und allein die Produktion eines Reels sie am Ende fast sechs Stunden Lebenszeit kostet. Natürlich will Mensch so viel Arbeit vergütet haben – schließlich zahlen Reichweite und Likes einem Ende des Monats nicht die Miete oder Lebensunterhalt. Gästeliste für fast jedes fancy Event und vollgestopfte Goodie-Bags sind „nice to have“, aber letztlich auch nicht viel mehr als temporäres Vergnügen oder Platzhalter im Badezimmerschrank.
Dabei sein ist alles, gut dabei wegkommen etwas ganz anderes. Es ist nicht so, dass die Einladungen daraus resultieren, dass man als Mensch besonders geschätzt oder geachtet wird, sondern viel mehr die Tatsache, dass ein Story-Markierung oder Repost dem Host eine Ladung gratis-Werbung einbringen. Nichts ist umsonst, erst recht nicht in der Medien-Branche! Alles auf Kosten der Authentizität, zumindest habe ich die auf den meisten Events am allermeisten vermisst. Wir sind hier für die gute Sache und machen inhaltsleere Sachen, wir konsumieren. Teure Drinks, ausgefallene Buffets, extravagante Show-Einlagen und nachhaltige Produkte im Übermaß fein säuberlich und schön verpackt in schicken Stofftaschen oder recyclebaren Geschenktüten. Lächeln nicht vergessen, dankbar sein.