Insights statt Innenschau

Über die Jahre habe ich mich selbst immer wieder dabei erwischt, wie ich meine Instagram Insights kontrollierte und meine Meinung oder meinen Humor infrage stellte, wenn der mühsam erdachte Post nicht die Reichweite und Beliebtheit erzielte, die ich ihm zuvor prognostiziert hätte. Zahlen lügen nicht, außer auf Instagram, denn das verwechseln viele Menschen: Nur weil die Followerschaft nach außen hin groß und das Profil demnach wirkungsvoll erscheint, heißt das nicht, das es hinter den Kulissen genauso abgeht. Engagement-Rate ist das Stichwort. Wie viele am Ende dein Buch kaufen, zu deinen Events kommen oder anderweitig Dinge unterstützen, für die du mit deinem Gesicht und Profil geradestehst, lässt sich anhand der Instagram zahlen nur schwer voraussagen. Wenn jemand allmächtig ist, dann der Algorithmus – er entscheidet. Content nach eigenem Geschmack produzieren, bringt dir Freiheit, aber oftmals weniger Sichtbarkeit.

Das Traurige an der Sache ist, dass Managements die zuvor erwähnten Insights oftmals als wichtiger als das kreative Potenzial erachten. Egal, ob Model-, Literatur- oder Musikbranche: gebucht wird, wer Follower, also Publikum und Kaufkraft mitbringt. It’s all about the money! Am besten bist du schon berühmt und berüchtigt, dann  klappts auch mit dem Model-, Buch- oder Plattenvertrag. Ganz nach dem Motto: Wir glauben an dich, vorausgesetzt das tun bereits viele andere auch! Dass kreative Menschen nicht zwangsläufig die besten Business-Maschinen sind und in vielen Fällen eher intra- als extrovertiert sind, ist besonders problematisch.

Natürlich gibt es auch Ausnahmen, denn Ausnahmen bestätigen die Regel! Allerdings ist es auch so, dass die, die am lautesten schreien, weder immer Recht haben noch qualitativ hochwertigere Werke erschaffen. Aber darum scheint es schon länger nicht mehr zu gehen, zumal Schnelllebigkeit im gleichen Atemzug eine geringere Halbwertszeit mit sich bringt. Serien werden am laufenden Band produziert, ebenso wie Autoren innerhalb von drei-vier Jahren zwei Bücher auf den Markt bringen und die Deadlines folglich genauso eng sitzen, wie die Budgets. Musik-Alben werden am Fließband produziert und die Kunst wirkt am Ende wenig tiefenzentriert.