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Wo der Spaß nicht mehr ausreicht, fängt der Rausch an.

Die Drogenpolitik befindet sich durch Anpassungsdruck an der Schwelle zur Reformierung. Auch alteingesessene Politiker müssen mittlerweile einsehen, dass der Drogen-Dämonisierungsdrang der letzten Jahre keine wesentlichen Veränderungen herbeigeführt hat. Im Gegenteil. Chemie-/Medizin-, als auch Psychologiestudenten lernen bereits in den ersten Semestern zu welchen Zwecken die beliebten Partystoffe MDMA, Kokain sowie Amphetamin in der Wissenschaft und sogar in der Therapie eingesetzt wurden sowie zum Teil immer noch werden. Statistiken beweisen, dass gerade in höheren Bildungs-/Gesellschaftsschichten eine liberalere Einstellung gegenüber aktuell noch illegalen Substanzen herrscht.

Man ist schließlich in der Lage, sich selbst zu informieren und die fast schon antiken Drogenparagraphen in Frage zu stellen. Schließlich hat schon fast jeder junge Erwachsene in seinem Leben an einem Joint gezogen und ist danach nicht obdachlos auf der Straße mit einer Nadel im Arm aufgewacht.

Drogen gehören zur Menschheit, seit es die Menschheit gibt. Selbst unsere ersten Vorfahren haben sich bereits mit Pflanzen und Pilzen berauscht. Ayuasca und andere schamanische Tränke sind hierfür nur vereinzelte Beispiele und in jeder Kultur auffindbar. Sie zu verbieten hat bis jetzt noch nicht funktioniert, dafür wurde der Weg für eine Unterwelt geebnet, die ihren Einfluss bis auf die höchsten politischen und wirtschaftlichen Etagen ausübt. Schlechte Drogen gelangen schneller als jemals zuvor an unerfahren User, die ihren ersten Trip dann im schlimmsten Fall mit ihrem Leben bezahlen.

Trotz der schlechten Bedingungen für den unwissenden Käufer beim Drogendeal nimmt er das Risiko billigend in Kauf. Wobei so billig sind Drogen gar nicht. Zumindest nicht das „gute“ Zeug. Denn auch hier muss man noch einmal differenzieren: während Marihuana, Kokain und Heroin als Modedrogen gelten und einen gewissen gesellschaftlichen Chic genießen, so stellen Crack und Meth den Abschaum in der Drogenwelt dar. Drogen sind also nicht gleich Drogen.

Aber allein die Tatsache, dass der User bereit ist für einmaligen Spaß sein Leben aufs Spiel zu setzen zeigt uns doch, dass die Bereitschaft und somit das Potenzial zum Konsum in der Gesellschaft mehr als vorhanden sind. Wieso kümmern wir uns dann nicht lieber darum, dass aus einem User ein „Safer-User“ wird, der ebenso wie der Weinliebhaber, seinen Stoff nach Qualität und persönlichem Geschmack auswählt?

Zusätzlich würden wir ihn dadurch zu moderatem als auch bedachten „trippen“/“raven“ befähigen. Natürlich steht auch hier erst einmal wieder die Frage im Fokus, warum das Individuum überhaupt das Verlangen danach verspürt sich mittels externer Substanzen in einen anderen Zustand zu versetzen. Aber die Frage sollte man sich vor jedem Vollsuff ebenfalls stellen. Es ist wichtig die Debatte auf EINER Ebene zu führen, denn nur dadurch gewinnt sie an Authentizität.

Die Jugend von heute. Generation Y: scheinbar substanzlose Gestalten, mit illegalen Substanzen gefüllt. Aber liegt das allein an uns? Ich denke nicht. Vielleicht liegt es an den medizinischen Behandlungen und Therapieverfahren der 90er Jahre. Bis heute. Wer kennt es nicht? Du hast Kopfschmerzen? Nimm ne Pille. Du hast Husten? Trink den Saft. Du hast Fieber? Nimm dieses Antibiotikum. Du bist verhaltensauffällig? Ab jetzt gibt’s jeden Tag ne Pille. Auf Rezept – denn du bist krank. Wen wunderts da eigentlich noch, wenn wir auch im jungen Erwachsenenalter im Club nicht davor scheuen uns eine bunte Wunderpille einzuschmeißen, die stundenlange Euphorie und Glücksgefühle verspricht? Zugegeben: so viel tolle Sachen verspricht eine Paracetamol oder Ibuprofen nicht. Nebenwirkungen wiederum haben alle Pillen. Auch an Paracetamol sind schon Menschen gestorben.

Das Problem bei schlechten Drogen sind in erster Linie die Streckstoffe. Die wiederum gelangen über den Schwarzmarkt und die Unterhändler in den Partystoff. Intransparenz und Unwissenheit sind die zwei Faktoren, die dem User letztlich zum Verhängnis werden und somit im Fokus der Drogendebatte stehen sollten.

Die Schweiz hat mit ihren Drugchecking-Foren bereits damit begonnen Aufklärungsarbeit zu leisten und Ravern sowie chemischen Substanz-Euphorikern Leitfäden an die Hand zu geben, die sie vor Überdosierungen oder schlechten Trips schützen sollen. Der Mensch hat schließlich das Recht über seinen Zustand selbst zu entscheiden, so lange er keine Dritten in Gefahr bringt oder in Mitleidenschaft zieht. Mal davon abgesehen ist ein von der Gesellschaft tolerierter Betrunkener bei weitem nicht immer gesellschaftsfähig. Aber das eine schließt das andere scheinbar nicht aus. Immerhin hat er die richtige Droge konsumiert, auch wenn sein Zustand jetzt alles andere als richtig erscheint.

Marihuana führt selten zu aggressivem Verhalten oder motorischen Ausfällen, die selbst einen ausgewachsenen Mann auf einmal hilflos wie ein Baby erscheinen lassen. Und ein grinsendes Gesicht auf MDMA hatte bis jetzt auch eher selten Probleme mit Prügeleien oder unnötigen Auseinandersetzungen. Auch sexuelle Übergriffe werden zum größten Teil unter Alkoholeinfluss verübt. Letztlich birgt jede Droge ihre Gefahren.

Selbst die Alltagsdroge Zucker und Koffein hat schon ihre Toten gefordert. Rausch ist Rausch. Sucht ist Sucht.

Also jetzt wo wir einen klareren Blick auf die Dinge haben und dem ganzen etwas offener gegenüber stehen ist es Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, inwiefern ein regulierter Drogenmarkt überhaupt möglich ist. An dieser Stelle kommt die bereits erwähnte Unterwelt zum Vorschein. Wie will man mit Kartellen und Drogenbaronen kooperieren? Ihnen fortan eine Steuererklärung für ihre Geschäfte abverlangen? Richtig! Unmöglich.

Also gilt es, die Drogenpolitik in den einzelnen Ländern zu liberalisieren und dem User somit eine Wahl zu bieten: durch den Staat regulierten, in Laboren produzierten, reinen Stoff zu konsumieren und sich hierfür gegebenenfalls zu registrieren; oder weiterhin zum Ticker des Vertrauens am anderen Ende der Stadt zu fahren und auf gut Glück neues Zeug auszuprobieren.

Ich denke einige würden auf den staatlich kontrollierten Stuff zurückgreifen und somit nach und nach eine sinkende Nachfrage auf dem Schwarzmarkt provozieren, so dass dieser in Folge von Preisverfall und daraus resultierenden Verschiebungen der Marktverhältnisse - nicht nur auf dem lateinamerikanischen Kontinent – implodieren könnte.

Mit Sicherheit würde über die Jahre auch hier eine Regulierung stattfinden. Wie sollte es auch sonst funktionieren. Es geht immer irgendwie weiter. Alte Probleme lösen sich – Neue tun sich auf. Aber da wirtschaftliche Interessen und natürlich das gute Geld letztlich wie immer ausschlaggebend sind, macht es auch erst einmal keinen Sinn sich weiter mit der Reformierung der Drogenpolitik zu befassen. It’s all about the money.

Aber ein Umdenken in der Gesellschaft, das lässt sich auch ohne Geld erreichen. Durch Aufklärung. Education is the key. Gerade in Deutschland – der Biernation überhaupt – wo ein gepflegter Vollrausch laut Horst Seehofer nicht nur pünktlich zum Oktoberfest das deutsche Kulturgut definiert, sollte man doch eigentlich offener gegenüber sinnesbetäubenden Stoffen sein.

Fazit: Die Dosis macht das Gift.

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